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Creative together – Side by Side

Friedensfeier im Rahmen eines interkulturellen Projekts auf der Marienburg

Egal, ob wir die Zeitung aufschlagen oder die Nachrichten schauen: Meldungen über Krieg, Gewalt und Ungerechtigkeit begegnen uns so selbstverständlich in unserem Alltag, dass wir sie oft kaum mehr richtig wahrnehmen. Dieser Gefahr der Gleichgültigkeit widersetzt sich eine Friedensfeier. Sie ruft die grausame Gewalt und die Ungerechtigkeiten unserer Welt, unter der so viele Menschen leiden, ins Bewusstsein und gibt der Hoffnung auf ein gutes und gerechtes Leben für alle Menschen Raum.

Im Rahmen des interkulturellen Projekts „Creative together“, das vom 25. bis 28. Mai 2017 auf der Marienburg, organisiert von der FachstellePlus Marienburg, stattfand, gestalteten wir mit jungen Menschen aus Syrien, Afghanistan, Deutschland und Schottland eine multireligiöse Friedensfeier in der Kirche der Jugend. 

Da sich die Friedensfeier aus verschiedenen Elementen zusammensetzte, die im Laufe des Wochenendes entstanden sind und auch nur aus der Dynamik der Tage zu verstehen sind, erscheint es wenig sinnvoll im Folgenden einen Ablauf der Friedensfeier mit ausgestalteten Textvorlagen zu präsentieren.

Vielmehr will dieser Kurzbericht dazu ermutigen, sich mit dem Thema „Multireligiöse Feiern“ auseinanderzusetzen und selbst kreativ zu werden. 

Die Friedensfeier, die von der interkulturellen Band MischMasch aus dem Hunsrück musikalisch mitgestaltet wurde, setzte sich aus verschiedenen Elementen zusammen, die eine Anregung für die Ausgestaltung einer eigenen Friedensfeier sein können. Da am Wochenende ein Workshop zum Thema „zeitgenössischer Tanz“ angeboten wurde, hatten einige Jugendliche eine Tanzchoreographie erarbeitet, die verschiedene Szenen von Gewalt und Ungerechtigkeit thematisierte. Hier sind, alternativ zum Tanz, auch andere kreative Formen denkbar, um die Realität von Gewalt und Ungerechtigkeit am Anfang der Feier bewusst zu machen.  Begleitet wurde diese Choreographie von einer Sprechmotette, die durch laut in den Raum gesprochene Schimpfworte deutlich zum Ausdruck brachte, wie entwürdigend und verletzend Sprache sein kann. So wurde deutlich, dass Gewalt schon dort beginnt, wo Menschen durch Sprache ausgegrenzt, herabgesetzt und gedemütigt werden. Durch Impulsfragen wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Friedensfeier aufgefordert, sich über Situationen in unserer Welt auszutauschen, in denen Friede und Gerechtigkeit bedroht sind. 

Ein weiteres Element war die Auseinandersetzung mit der Kunstaustellung „Aus heiligen Ländern“ des Künstlers Heinz Müller in der Kirche der Jugend. Heinz Müller hat in den letzten Monaten nicht nur Menschen, die aus ihren Ländern fliehen mussten, portraitiert, sondern hat sich auch mit den Ursachen von Flucht und Verfolgung auseinandergesetzt. Am Schicksal der im Bild anwesenden Menschen wurde noch einmal deutlich, wie wichtig es ist, gegen bestehende Verhältnisse, die Leid und Terror produzieren und Frieden und Gerechtigkeit verhindern, zu protestieren.  

Im Zentrum der Friedensfeier standen Verse aus dem Koran, die die syrischen Jugendlichen auswählten, und Verse aus der Bibel (Mt 5,3-11), die sich mit den Motiven Frieden und Gerechtigkeit auseinandersetzen. Diese Texte wurden nebeneinander gestellt und in der darauf folgenden Ansprache gedeutet. Da Christen und Muslime kein gemeinsames Gebet haben, entschieden wir uns dafür, dass in einem Moment der Stille jede und jeder in seiner eigenen Tradition für Frieden und Gerechtigkeit beten konnte. Dazu stellten wir uns in einem großen Kreis auf, nahmen einander an den Händen und beteten still in unserer je eigenen Tradition. In dieser Geste wurde spürbar, wie sehr der Protest gegen Gewalt und Unrecht und die Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit Menschen, Religionen und Kulturen verbinden.